Oper – ist das ein SPD-Thema?

Veröffentlicht am 05.12.2018 in Ortsverein

Oper – ist das ein SPD-Thema? Wir meinen: Unbedingt! Zum einen schließt ein SPD-Parteibuch den Genuss von „Hochkultur“ bestimmt nicht aus. Und zum anderen ist die Opernsanierung schon wegen der im Raum stehenden gigantischen Beträge, aber auch wegen der möglichen städtebaulichen Konsequenzen aus verschiedenen Sanierungs-, Neubau- und Interims-Planspielen einfach eines der wichtigsten und folgenschwersten kommunalpolitischen Projekte der nächsten Jahre.
Wir konnten zwei Genossen dafür gewinnen, uns am 4. Dezember im Naturfreundehaus „Steinbergle“ ihre Positionen und Überlegungen zu erläutern. Unser stellvertretender Bezirksvorsteher Sebastian Sage, Architekt und Stadtplaner, bevorzugt für die Oper einen Neubau. Peter Schwab aus dem Ortsverein Ost ist bekennender Opernfan und plädiert für die Sanierung des Littmann-Baus.

 

Sebastian Sage erläuterte, dass der Einbau einer modernen Kreuzbühne in den historischen Bau einen Anbau in Richtung Landtag und damit fensterlose Wände auf der Straßenseite bedeuten würde. Die größere Bühne erfordere aus akustischen Gründen auch einen größeren Zuschauerraum. Akustik und Sicht würden aber aufgrund moderner Bauvorschriften (z.B. Absätze zwischen den Stufen) schlechter werden. Aus seiner Sicht würde der historische Littmannbau damit zerstört. Für die Opernsanierung rechnet er mit Kosten von 600 bis 800 Mio. € - auch in Köln und Berlin kostet die Sanierung vorhandener Operngebäude 400 bis 500 Mio. €. Dazu kommen die Kosten für eine Interimsoper, die derzeit auf 110 Mio. € geschätzt werden – Arno Lederer baue in München eine komplette neue Oper mit Kreuzbühne für 150 Mio. €. Auch in Kopenhagen wir ein neues Opernhaus und ein neues Theater gebaut, das alte Theater wird als Spielstätte für das Ballett weitergenutzt. Das ist für Sebastian ein Modell für Stuttgart: Verzicht auf eine teure Interimsspielstätte, Erhalt des Littmannbaus in heutiger Form und Neubau einer modernen Oper an anderer Stelle. Und hier kommen Planungen der LBBW für die Königstraße ins Spiel: Offenbar will sie die ihr gehörenden Gebäude auf der Parkseite der Königstraße zwischen Hauptbahnhof und dem Haus der katholischen Kirche abreißen und durch Neubauten ersetzen. Hier könnte, fast genauso schnell wie eine Interimsoper, auch gleich eine „richtige“ neue Oper entstehen. Einen Interimsbau an den Wagenhallen lehnt er ab, da dadurch dort kein Wohnungsbau mehr möglich sein wird. (Der Bezirksbeirat Nord hat sich ebenfalls in seiner letzten Sitzung gegen eine Interimsoper an den Wagenhallen ausgesprochen.)

Peter Schwab ist sich mit Sebastian einig, dass die Oper in der Innenstadt bleiben soll und nicht beispielsweise zum Kraftwerk Gaisburg kommt, wie es die CDU überlegt. Er möchte aber das vorhandene Opernhaus mit einer modernen Kreuzbühne zukunftssicher machen. Er ist skeptisch, ob ein weiteres Haus in Stuttgart ausgelastet werden könnte – heute kommt die Oper auf etwa 240 Aufführungen im Jahr bei 75% Auslastung, das Ballett auf nur 50 Aufführungen bei 97% Auslastung. Eine Interimsspielstätte könnte er sich im hinteren Bereich des Kunstvereins-Gebäudes vorstellen, der wenig genutzt wird.

Die Diskussion war lebhaft, aber stets fair. Viele fanden die Idee eines Opernneubaus an der Königstraße bestechend. Ein Meinungsbild ergab deutliche Mehrheiten für

  • den Neubau einer Oper im Stadtzentrum
  • den Erhalt des Littmannbaus in seiner heutigen Kubatur als Spielstätte für das Ballett und für Opern des 18. Jahrhunderts
  • einen Verzicht auf eine Interimsoper an den Wagenhallen

 
 

 

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